Wie man in der KI-Suche gefunden wird
Die Suche hat sich in den letzten zwei Jahren stärker verändert als in den fünfzehn Jahren davor. Wer früher „Steuerberater Dresden" tippte, bekam zehn blaue Links. Wer heute fragt „Welchen Steuerberater in Dresden empfiehlst du für einen Handwerksbetrieb?", bekommt eine Antwort mit drei Namen und einer Begründung.
Für Unternehmen ist das eine unangenehme Verschiebung: Aus zehn Plätzen auf Seite eins sind drei Nennungen in einer Antwort geworden. Gleichzeitig ist es eine Chance, weil diese drei Nennungen nicht nach Werbebudget vergeben werden, sondern danach, welche Quelle ein System als brauchbar und eindeutig einstuft.
Dieser Text erklärt, wie das technisch funktioniert, was tatsächlich wirkt, was nur behauptet wird – und was ein kleines regionales Unternehmen davon umsetzen sollte.
Wie wird man von KI-Systemen gefunden?
KI-Systeme zitieren Websites, die drei Bedingungen erfüllen: Sie sind technisch auslesbar (keine blockierten Crawler, schneller Server, Inhalte im HTML statt nur per JavaScript), sie beantworten konkrete Fragen in klaren, abgrenzbaren Absätzen, und sie sind als Absender eindeutig identifizierbar (Name, Ort, Leistungen widerspruchsfrei und maschinenlesbar hinterlegt). Werbetexte werden dabei systematisch übergangen, sachliche Erklärungen mit nachprüfbaren Angaben bevorzugt aufgegriffen.
Was sich tatsächlich geändert hat
Es gibt inzwischen drei verschiedene Wege, auf denen ein Nutzer bei Ihnen landen kann, und sie funktionieren unterschiedlich.
Der erste ist die klassische Suche mit Ergebnisliste. Die gibt es weiterhin, sie ist weiterhin der größte Kanal, und sie funktioniert nach den bekannten Regeln.
Der zweite sind KI-Zusammenfassungen innerhalb der Suchmaschine – bei Google seit März 2025 auch in Deutschland als AI Overviews. Der Nutzer bekommt eine zusammengefasste Antwort über den Ergebnissen, mit Quellenangaben daneben. Wichtig zu verstehen: Diese Antworten werden aus dem normalen Suchindex gebaut. Wer dort nicht sauber indexiert ist, kommt auch in der Zusammenfassung nicht vor.
Der dritte Weg sind eigenständige KI-Assistenten – ChatGPT, Claude, Perplexity, Gemini. Die arbeiten teils mit eigenen Suchindizes, teils rufen sie Seiten live ab. Hier entscheidet, ob Ihr Server die Anfrage beantwortet und ob der abgerufene Text ohne Kontext verständlich ist.
Wonach KI-Systeme auswählen
Ein Sprachmodell entscheidet nicht nach Rankingplatz, sondern danach, welcher Textabschnitt seine gerade zu beantwortende Frage am besten abdeckt. Das hat handfeste Konsequenzen für die Art, wie Texte geschrieben sein müssen.
Was systematisch bevorzugt wird
- Absätze, die eine Frage vollständig und für sich allein beantworten – ohne dass man den Rest der Seite gelesen haben muss.
- Konkrete, nachprüfbare Angaben: Zahlen, Fristen, Preisspannen mit Bedingung, Normbezeichnungen, Zeiträume.
- Klare Zuordnung: Wer sagt das, mit welcher Qualifikation, wann zuletzt geprüft.
- Struktur, die die Gliederung im Text abbildet – Zwischenüberschriften als echte Fragen, Antwort direkt darunter.
- Inhalte, die es nicht schon zehnmal identisch gibt. Regionale Besonderheiten und eigene Erfahrungswerte sind hier ein echter Vorteil.
Was systematisch übergangen wird
Der typische Website-Text deutscher Mittelständler ist für KI-Systeme praktisch unbrauchbar. Nicht weil er schlecht geschrieben wäre, sondern weil er keine Information enthält, die man zitieren könnte.
- „Ihr kompetenter Partner rund um …" – enthält keine Aussage, die geprüft oder wiedergegeben werden kann.
- „Langjährige Erfahrung", „höchste Qualität", „faire Preise" – austauschbar, unbelegt, wertlos als Quelle.
- Leistungen als reine Stichwortliste ohne Erklärung.
- Wichtige Angaben ausschließlich im Bild oder im PDF – beides wird deutlich schlechter ausgewertet als normaler Text.
- Inhalte, die erst nach dem Ausführen von JavaScript erscheinen. Viele Abrufe warten darauf nicht.
Die technischen Voraussetzungen
Bevor Inhalt überhaupt eine Rolle spielt, muss die Seite auslesbar sein. Hier scheitert ein erheblicher Teil der Websites – oft ohne dass es jemand bemerkt.
| Voraussetzung | Warum sie zählt |
|---|---|
| Inhalte im ausgelieferten HTML | Wird der Text erst durch JavaScript im Browser erzeugt, sehen ihn viele Abrufe nicht. Statisch ausgelieferte Seiten sind hier im Vorteil. |
| Crawler nicht blockiert | In der robots.txt stehen bei vielen Seiten pauschale Sperren, oft aus einer Vorlage kopiert. Wer GPTBot, ClaudeBot oder PerplexityBot aussperrt, kann dort nicht zitiert werden. |
| Schnelle Antwortzeiten | Live-Abrufe brechen bei langsamen Servern ab. Was nicht rechtzeitig antwortet, existiert für diese Anfrage nicht. |
| Strukturierte Daten (JSON-LD) | Unternehmensname, Adresse, Öffnungszeiten, Leistungen und FAQ maschinenlesbar. Das macht aus Fließtext auswertbare Fakten. |
| Saubere Überschriftenhierarchie | H1 einmal, darunter H2 und H3 in logischer Ordnung. Danach werden Textabschnitte abgegrenzt. |
| Eindeutige, dauerhafte Adressen | Eine Seite pro Thema, eine Adresse pro Seite. Wechselnde oder doppelte Adressen zerstreuen die Zuordnung. |
Was mit llms.txt ist
Seit einiger Zeit wird eine Datei namens llms.txt beworben – eine Art Inhaltsverzeichnis der Website speziell für Sprachmodelle. Der Vorschlag stammt aus dem Jahr 2024 und ist technisch nachvollziehbar.
Ehrliche Einordnung: Es ist kein offizieller Standard, und kein großer Anbieter hat bisher bestätigt, dass er die Datei auswertet. Wer llms.txt als entscheidenden Hebel verkauft, verkauft eine Vermutung.
Trotzdem legen wir sie an. Sie kostet praktisch nichts, sie schadet nicht, und sie zwingt zu einer Übung, die ohnehin sinnvoll ist: In drei Sätzen zu formulieren, was das Unternehmen macht, für wen, und wo die wichtigsten Inhalte liegen. Nur sollte niemand erwarten, dass daraus messbare Sichtbarkeit entsteht.
Was ein regionales Unternehmen konkret tun sollte
- 1 Prüfen, ob die Website überhaupt ausgelesen werden darf. Ein Blick in die robots.txt genügt – dort stehen bei erschreckend vielen Seiten Sperren, die niemand bewusst gesetzt hat.
- 2 Die zwanzig häufigsten Kundenfragen aufschreiben. Nicht ausdenken – die, die tatsächlich am Telefon gestellt werden.
- 3 Jede dieser Fragen als Zwischenüberschrift auf die passende Seite setzen und in drei bis fünf Sätzen ehrlich beantworten. Mit Zahlen, wo es Zahlen gibt.
- 4 Unternehmensdaten vereinheitlichen: Name, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten – auf der Website, im Unternehmensprofil und in allen Verzeichnissen exakt identisch.
- 5 Strukturierte Daten hinterlegen: Organisation, Leistungen, FAQ, bei lokalen Betrieben zusätzlich die Angaben zum Standort.
- 6 Preisspannen nennen, wo es geht – mit Bedingung. Eine Zahl mit Kontext ist zitierfähig, Schweigen ist es nicht.
- 7 Ein Stand-Datum setzen und einhalten. Aktualität ist ein Auswahlkriterium, und ein Beitrag von 2019 ohne Datum wirkt schlechter als einer mit ehrlichem Datum.
Kann man das messen?
Nur eingeschränkt, und wer etwas anderes behauptet, sollte gefragt werden, wie genau.
Klassische Rankings lassen sich messen. Klicks aus AI Overviews tauchen in der Google Search Console auf, sind aber nicht getrennt ausgewiesen. Nennungen in ChatGPT oder Claude lassen sich nicht systematisch auslesen – man kann stichprobenartig typische Fragen stellen und schauen, wer genannt wird. Das ist eine Momentaufnahme, keine Statistik.
Was man verlässlich beobachten kann: den Anteil an Anfragen, bei denen jemand sagt, er sei über eine KI-Antwort auf Sie gekommen. Diese Frage gehört ab sofort ins Erstgespräch – sie ist derzeit die belastbarste verfügbare Messung.
Häufige Fragen
Ersetzt die KI-Suche Google?
Nein, und danach sieht es auch nicht aus. Die klassische Suche bleibt der größte Kanal. Was sich ändert, ist der Anteil der Anfragen, die ohne Klick beantwortet werden – vor allem bei Informationsfragen. Bei konkreten lokalen Aufträgen klickt der Nutzer weiterhin, weil er Telefonnummer, Bilder und Öffnungszeiten sehen will.
Brauche ich eine neue Website, um in KI-Antworten vorzukommen?
Nicht zwingend. Entscheidend ist, ob die vorhandene Seite technisch auslesbar ist und ob sich Inhalte ergänzen lassen. Bei einer modernen, schnellen Seite reichen strukturelle Ergänzungen. Bei einer Seite, die Inhalte erst per JavaScript nachlädt, langsam ist oder auf einem nicht mehr gepflegten System läuft, ist der Neubau günstiger als die Reparatur.
Soll ich KI-Crawler aussperren, damit meine Inhalte nicht zum Training genutzt werden?
Das ist eine Abwägung. Wer aussperrt, schützt seine Texte vor der Verwertung – und verzichtet gleichzeitig darauf, in Antworten genannt zu werden. Für ein Unternehmen, das Kunden gewinnen will, überwiegt fast immer der Sichtbarkeitsvorteil. Für jemanden, der von seinen Texten selbst lebt, kann die Abwägung anders ausfallen.
Kann man Texte einfach von einer KI schreiben lassen?
Für Rohfassungen und Struktur: ja, das machen wir selbst. Als fertigen Website-Text: nein. Generierte Texte enthalten genau das, was ohnehin schon überall steht – austauschbare Formulierungen ohne eigene Substanz. Der Wert Ihrer Seite liegt in dem, was nur Sie wissen: Ihre Preise, Ihr Gebiet, Ihre Fälle, Ihre Erfahrungswerte.
Was ist mit Bewertungen?
Sie sind ein starkes Signal, besonders bei lokalen Empfehlungen. KI-Systeme greifen dafür auf Kartendienste und Bewertungsportale zurück, nicht auf Ihre Website. Ein gepflegtes Unternehmensprofil mit echten, beantworteten Bewertungen wirkt hier direkter als jede Optimierung am eigenen Auftritt.