Woran man erkennt, dass eine Website veraltet ist
Fast niemand hält seine eigene Website für veraltet. Das hat einen einfachen Grund: Man sieht sie auf dem eigenen Rechner, im eigenen Browser, mit der eigenen schnellen Verbindung – und man weiß, wo alles steht. Der Besucher hat keine dieser Voraussetzungen.
Die folgenden zwölf Punkte lassen sich in etwa zwanzig Minuten selbst prüfen. Sie sind bewusst so gewählt, dass sie ohne Fachkenntnis beantwortbar sind.
Woran erkenne ich, dass meine Website veraltet ist?
Die deutlichsten Anzeichen: Auf dem Smartphone muss man zoomen oder seitlich scrollen, die Seite braucht länger als drei Sekunden zum Laden, im Impressum steht noch „§ 5 TMG" (abgelöst im Mai 2024), die Telefonnummer ist nicht anklickbar, es gibt außer der Startseite keine eigenen Seiten für einzelne Leistungen, und bei Google findet man die Seite nur über den Firmennamen. Treffen drei oder mehr Punkte zu, ist die Seite kein Vermögenswert mehr, sondern ein Kostenpunkt.
Sechs Punkte, die Sie in fünf Minuten prüfen
- 1 Öffnen Sie die Seite auf dem Smartphone, mobil, nicht im WLAN. Müssen Sie zoomen oder seitlich schieben, ist die Seite technisch vor 2016 stehengeblieben. Google bewertet ausschließlich die mobile Version – seit Juli 2024 wird nur noch mobil gecrawlt.
- 2 Zählen Sie mit, wie lange das Laden dauert. Über drei Sekunden springt ein erheblicher Teil der Besucher ab, bevor überhaupt etwas zu sehen war.
- 3 Tippen Sie auf die Telefonnummer. Startet kein Anruf, verlieren Sie täglich Anrufe – bei einem Handwerksbetrieb ist das der teuerste Einzelfehler überhaupt.
- 4 Schauen Sie ins Impressum. Steht dort „§ 5 TMG", wurde die Seite seit Mai 2024 nicht überarbeitet. Steht dort ein Hinweis auf die EU-Streitschlichtungsplattform, ebenfalls veraltet – die wurde im Juli 2025 eingestellt.
- 5 Prüfen Sie die Adresszeile: Beginnt sie mit https und zeigt der Browser ein Schloss? Ohne Verschlüsselung warnen Browser die Besucher aktiv.
- 6 Googeln Sie eine Ihrer Leistungen zusammen mit Ihrer Stadt – nicht Ihren Firmennamen. Tauchen Sie in den ersten zwei Seiten auf? Wenn nein, findet Sie kein Neukunde.
Sechs Punkte, die den Inhalt betreffen
- 1 Gibt es für jede wichtige Leistung eine eigene Seite? Wenn alles auf einer Seite steht, kann die Seite nur für einen Suchbegriff gefunden werden – und meist ist das Ihr Firmenname.
- 2 Sind die Bilder echt oder gekauft? Stockfotos von lachenden Menschen in Anzügen senken die Glaubwürdigkeit messbar. Zehn eigene Fotos wirken stärker als hundert perfekte.
- 3 Steht irgendwo eine Jahreszahl, die nicht stimmt? Ein Copyright-Vermerk von 2019, eine Aktion von 2021, ein Teammitglied, das längst weg ist – jedes dieser Details sagt dem Besucher, dass hier niemand hinschaut.
- 4 Beantwortet die Seite die Fragen, die Kunden tatsächlich stellen? Preise, Dauer, Ablauf, Gebiet. Wenn Ihr Telefon dieselben fünf Fragen jeden Tag beantwortet, gehören sie auf die Website.
- 5 Gibt es Referenzen mit Substanz? Ein Logo-Balken ohne Beschreibung ist kein Nachweis. Drei erklärte Projekte sind einer.
- 6 Findet ein Bewerber, was er sucht? Für viele Betriebe ist die Website inzwischen der wichtigste Recruiting-Kanal – und meist der am schlechtesten gepflegte Bereich.
Was das Ergebnis bedeutet
| Treffer | Einschätzung | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| 0–2 Punkte | Die Seite trägt. Es gibt Verbesserungspotenzial, aber keine Baustelle. | Gezielte Ergänzungen: fehlende Leistungsseiten, Antworten auf häufige Fragen, strukturierte Daten. |
| 3–5 Punkte | Die Seite hat strukturelle Lücken, die Anfragen kosten. | Prüfen, ob die technische Basis noch trägt. Wenn ja, gezielt nachbessern. Wenn nein, Neubau kalkulieren. |
| 6 und mehr | Die Seite ist kein Vermögenswert mehr. Sie kostet Anfragen, statt welche zu bringen. | Neubau. Reparatur ist bei dieser Ausgangslage regelmäßig teurer als ein sauberer Neuanfang. |
Reparieren oder neu bauen?
Die Frage lässt sich an einem einzigen Kriterium festmachen: Trägt die technische Basis noch?
Wenn die Seite auf einem aktuellen, gepflegten System läuft, mobil ordentlich funktioniert und schnell lädt, dann sind fehlende Inhalte und fehlende Struktur ergänzbar. Das ist der günstigere Weg und der, den wir dann auch vorschlagen.
Wenn die Seite dagegen auf einem System läuft, das seit Jahren keine Sicherheitsupdates mehr bekommt, wenn niemand mehr Zugang hat, wenn sie nicht mobil funktioniert oder Inhalte nur als Bilder vorliegen – dann ist jede Reparatur Geld, das in eine Sackgasse fließt.
Was bei einem Neubau erhalten bleiben sollte
- Die Domain – unbedingt. Sie trägt die aufgebaute Vertrauensstellung. Eine neue Domain bedeutet, bei null anzufangen.
- Bestehende Adressen: Jede alte Seite, die aufgerufen wird, muss auf ein passendes neues Ziel umgeleitet werden. Ohne diese Umleitungen verliert man die vorhandene Sichtbarkeit komplett – der häufigste Fehler bei Relaunches.
- Vorhandene Inhalte mit Substanz: Referenzen, Projektbeschreibungen, Fachtexte. Was gut ist, wird übernommen und überarbeitet, nicht weggeworfen.
- Das Unternehmensprofil bei Google mit den gesammelten Bewertungen – das läuft ohnehin getrennt, muss aber auf die neuen Adressen zeigen.
- Vorhandenes Bildmaterial, sofern es echt ist. Auch ältere Baustellenfotos sind wertvoller als jedes Stockfoto.
Häufige Fragen
Meine Seite sieht doch gut aus – reicht das nicht?
Aussehen ist ein Kriterium von mehreren, und meistens nicht das entscheidende. Eine optisch ansprechende Seite, die auf dem Handy schlecht bedienbar ist, langsam lädt und für keinen Suchbegriff gefunden wird, bringt keine Anfragen. Umgekehrt bringt eine schlichte, schnelle, gut strukturierte Seite regelmäßig Aufträge. Design ist wichtig, aber es ist nicht der Hebel.
Was passiert mit meinen Google-Rankings beim Neubau?
Bei sauberer Arbeit bleiben sie erhalten oder verbessern sich. Voraussetzung ist, dass jede alte Adresse auf ein passendes neues Ziel umgeleitet wird und die Domain dieselbe bleibt. Ohne diese Umleitungen verliert man die aufgebaute Sichtbarkeit – das ist der Grund, warum manche Relaunches im Desaster enden.
Wie lange dauert ein Relaunch?
Zwei bis sechs Wochen, je nach Umfang. Die Technik ist selten der Engpass – der zeitkritische Teil ist das Zusammentragen von Inhalten, Bildern und Freigaben. Wer das vorbereitet hat, ist am schnellen Ende der Spanne.
Muss ich während des Umbaus offline gehen?
Nein. Die neue Seite entsteht parallel unter einer Testadresse, wird dort abgenommen und dann umgeschaltet. Die alte Seite bleibt bis zum Umschalten erreichbar, die Umschaltung selbst dauert Minuten.
Kann ich die Prüfung auch von Ihnen machen lassen?
Ja, das machen wir kostenlos und unverbindlich. Sie bekommen eine schriftliche Einschätzung mit den konkreten Befunden – auch dann, wenn unser Ergebnis lautet, dass Ihre Seite in Ordnung ist und wir nichts zu tun haben.